And then I never heard from him again - A modern love story

„Also, wir hören uns“, sage ich, mit einem Fuß schon in der Haustür. Den ganzen Tag hatten wir so getan als wäre Sommer, wir hatten uns im Restaurant sogar auf die Plätze draußen gesetzt. Jetzt wo die Sonne weg ist, gestehe mir fröstelnd ein, dass ein Mantel doch keine schlechte Idee gewesen wäre. In Gedanken stehe ich bereits unter der warmen Dusche. Außerdem frage ich mich ob meine Mascara verwischt ist und ob meine Nase und meine Ohren so rot sind, wie sie sich anfühlen. „Klar“, sagt er und grinst. Ein flüchtiger Kuss zum Abschied und schon in dem Moment als die Tür hinter mir ins Schluss fällt, beschleicht mich der Verdacht, dass wir uns nicht hören werden. 

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 Wenn mich ein paar Wochen später eine Freundin fragt „Was ist eigentlich aus diesem XY?“, geworden, zucke ich nur mit den Schultern. Sie weiß, was das bedeutet. Er hat nicht geschrieben, ich hab nicht geschrieben. Wir grinsen, weil es irgendwie lustig ist, dass das uns das Allen immer wieder passiert. Erst später, wenn ich alleine in der U-bahn sitze, den Kopf an die Scheibe gelehnt und Lieder von „The bright Eyes“ höre, die nach der großen Liebe klingen, wird mir klar, dass ich es auch traurig finde. Ich finde es traurig, wie XY in mein Leben tritt, eine schöne Überraschung, ein paar geteilte Lacher, ein paar heimliche Hoffnungen, ein paarmal verschmitztes Grinsen, wenn sein Name auf dem Display aufleuchtet und wie wir dann einfach ohne ein weiteres Wort auseinanderdriften. 
 
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Wir sind noch jung, die Welt ist so groß, also wieso sollten wir uns schreiben? Es gibt doch noch so viele Zufallsbegegnungen und erste Küsse da draußen, also wieso sollten wir uns schreiben? Uns bleibt ja die gemeinsame Erinnerung und wahrscheinlich ist die viel schöner als die gemeinsame Zukunft. Denn würden wir zusammengehören – das würden wir doch merken, oder? Die Welt um uns herum würde anfangen sich zu drehen, wenn wir uns in die Augen sehen oder die Fäden unserer Seelen würden sich zu einem untrennbaren Band verknüpfen oder so etwas. 
Irgendwann wird das passieren, denke ich. Irgendwann wird das Universum dafür sorgen, dass ich jemanden treffe, bei dem ich bleiben will, bei dem ich bleiben muss. Das sage ich mir jedes Mal, wenn unser Chat in der Liste weiter nach unten rutscht. 

Aber vielleicht wartet das Universum auch darauf, dass ich endlich mal was tue. Dass ich nicht zusehe wie der Andere am Horizont immer kleiner wird. Dass ich mein blödes Handy in die Hand nehme und meinen blöden Stolz überwinde und ein paar Wörter tippe. 

„Hey, sehen wir uns wieder?“

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Vielleicht brauchen die Fäden unserer Seele ein bisschen Zeit, bis sie sich zu einem untrennbaren Band verknüpfen. (Ich weiß auch nicht was das für eine Metapher sein soll). Vielleicht sollten wir ihnen eine Chance geben. Vielleicht sollten wir einander eine Chance geben. Oder wenigstens eine Erklärung, bevor wir uns in das nächste "Vielleicht" stürzen, dass schnell wieder zu einem "Ach, vielleicht doch lieber nicht" wird.

 Kennt ihr dieses Phänomen des einfach Auseinaderdriftens ohne Erklärung? Habt ihr auch das Gefühl, dass das in unserer Gesellschaft eigentlich zur Normalität geworden ist, auch auf Freundschaften und Bekanntschaften bezogen? Und was denkt ihr darüber? 

P.S.: Findet ihr solche Tagebuch-ähnlichen Texte interessant oder langweilig? 

Kommentare:

  1. Liebe Pia,

    was du hier beschreibst, macht mich traurig - eben weil ich weiß, dass es heutzutage mehr als normal ist, nie wieder voneinander zu hören.

    Ich bin grundsätzlich allerdings jemand, der es hasst, wenn er Menschen nicht wieder sieht. Egal, wie kurz ich Kontakt zu jemandem hatte, ich mag mich nicht von Leuten trennen. Wenn es nach mir geht, dann muss so ein "Wir tun so, als wäre Sommer und sitzen draußen im Cafe und küssen uns zum Abschied" auch gar nicht zu einer dauerhaften Beziehung werden... aber eine Freundschaft sollte doch drin sein, wenn man eine nette Zeit gemeinsam hatte. Und inzwischen traue ich mich da sogar, nach einem erneuten Treffen nachzufragen...
    Sowieso, Beziehungen brauchen doch Zeit sich zu entwickeln - manchmal merkt man sicher erst nach Wochen, dass man doch füreinander bestimmt ist ;) Ich kann zumindest nach ein paar Stunden noch nicht sagen, ob jemand zu mir passt oder nicht.

    Ich finde, solche Texte sind wirklich spannend zu lesen und du hast einen wundervollen Schreibstil! Bitte, bitte, poste ruhig mehr dieser Art :)

    Liebe Grüße

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    1. Liebe Tabea,
      danke für dein Feedback! :)
      Schön zu hören, dass du ähnliche Gedanken hast wie ich zu dem Thema.
      Liebe Grüße zurück!

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  2. Liebe Pia,
    ich finde der Text ist so schön geschrieben und ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Ich finde es traurig, dass es schon irgendwie normal ist, sich nach dem ersten Treffen nicht wiederzusehen egal ob man sich super verstanden hat, da jetzt ein Kuss war oder nicht.

    Ich lese solche Beiträge immer super gerne!

    Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende!
    Anna :-)
    https://wwwannablogde.blogspot.de/

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    1. Danke Anna! :)
      Liebe Grüße zurück& einen guten Start in die Woche!

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  3. Ein sehr schöner Text! Ich finde solche Einträge immer toll zu lesen.
    Ich finde es auch schade, dass an nach dem ersten Treffen nicht mehr Kontakt aufsucht. Man kann ja wirklich nicht wissen, ob das nicht vielleicht noch etwas besonderes wird.
    Liebe Grüße,
    Thi

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  4. Also von meiner Seite aus auch sehr gerne mehr solcher Texte. Diese Hoffnung von dem "Magischen Gefühl" beim ersten Kontakt hat man ja oft. Habe früher dann auch Jungs schnell abgeschrieben, es war dann normal, wenn man ohne weiteres sich nicht mehr getroffen hat. Hätte ich meinem jetzigem Freund jedoch keine Chance gegeben, dass wir uns richtig kennenlernen, wären wir wohl nie zusammengekommen. Ich denke schon, dass man auch mal aus seiner Komfortzone heraussollte, Risiken eingehen muss, um dann schließlich auch belohnt zu werden. Klar, mal ist es auch super, einfach nur oberflächliche Kontakte zu knüpfen, aber in Menschen stecken ja so viele andere Seiten, die man erst später kennen und wertschätzen lernt.

    Schöner Text!

    Lg
    Alina von www.selfboost.de

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    1. Hallo Alina, schön dass du deine Gedanken zu dem Thema teilst - ich kann allem zustimmen was du sagst.
      Danke dir!
      Liebe Grüße!

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  5. Ich finde sie ziemlich schön geschrieben, kannst du gerne öfter so machen! :)
    Ich kenne das Gefühl leider auch, aber es hilft, by the way, wenn man wie du einfach mutig ist, und das auseinanderdriften nicht zulässt. Ich fände, man muss einfach die Luft anhalten, handeln, und im Notfall läuft man sich halt nicht mehr über den Weg wenn es peinlich wird, nachdem man nochmal einen Anlauf versucht hat. Verstehst du was ich meine? Hast du dir dann doch noch ein Herz gefasst, und eine Nachricht geschrieben?
    Alles Liebe,
    Lori

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