Und jetzt? (Was zu tun ist, wenn man keine Ahnung hat, was man mit dem Rest seines Lebens anfangen soll)



Letzten Sommer habe ich  mein Abi gemacht. Das heißt ich wurde nach 8 mehr oder weniger qualvollen Jahren auf dem Gymnasium mit einem labbrigen Zertifikat in den Händen in den Rest meines Lebens entlassen.Die Freiheit war gleichzeitig wunderschön und beängstigend. Was wenn ich die falschen Entscheidungen treffe und irgendwann in einem langweiligen, unbedeutenden Leben festsitze? Ich befand mich irgendwo zwischen Euphorie und einer Existenzkrise.

Konnte ich zu diesem Zeitpunkt ein romantisches Gedicht analysieren, ein Vektroprodukt berechnen und die Merkmale der antiken Bauweise benennen? Ja. Hatte ich irgendeine Idee wie das Leben als erwachsener Mensch funktioniert, wie man sich für ein Studium bewirbt oder was man tut wenn der eigene Chef einem das Gehalt zwei Monate zu spät auszahlt? Nein.

Aber ich wusste, dass ich erst einmal die neugewonnene Freheit voll und ganz ausleben will. Für mich hieß das: wegfahren. Nach Paris, ans Meer, in den Süden. Mit meiner besten Freundin bin ich ein Monat mit Interrail durch Europa gefahren. Abende mit Rotwein auf spanischen Balkonen, Sonnenuntergänge in Lissabon, Strandausritte und Sternenhimmel. Es war perfekt.




Von mir aus hätte das Leben ewig so weitergehen können. Also habe ich eine Weile gearbeitet und den nächsten Flug gebucht: Nach Australien. Auch diese zwei Monate am buchstäblich anderen Ende der Welt waren spannend und lehrreich und toll, aber irgendwann wusste ich: ich hab jetzt so viele wunderschöne Dinge erlebt und in mich aufgenommen, es ist Zeit, dass ich etwas mache.


Als ich wieder zuhause war habe ich mich für ein Praktikum angemeldet, für Projekte, habe angefangen wieder zu schreiben. Und mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt an dem ich ziemlich genau weiß was ich will. (Ich weiß zwar nicht genau, wie ich da hin komme, aber es ist ein Anfang.)

Es gab einige Dinge, die mir geholfen haben, einen klaren Kopf zu bekommen und die Ideen und Wünsche die in mir, wie in einem luftleeren Raum herumgeflogen sind zu sortieren.





Was zu tun ist, wenn man keine Ahnung hat, was man mit dem Rest seines Lebens anfangen soll (Tips& Tricks von einer Person, die  selber keinen genauen Plan hat):



1. Erstmal chillen: Es ist okay an einem Montag Vormittag mit einem Becher Eis im Bett zu sitzen und über einen Disneyfilm zu weinen, während deine Freunde  Medizin oder Jura studieren und daran arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Du hast noch so viel Zeit, zu der Person zu werden, die du sein willst.





2. Finde heraus, was du liebst: Mache eine Liste mit allen Dingen, die dir Spaß machen (also die dir wirklich Spaß machen, nicht die von denen du glaubst sie sollten dir Spaß machen) und die du magst. Ich liebe zum Beispiel Blumen, also wirklich! Könnte ich glücklich werden, wenn ich jeden Tag in einem duftenden Blumenladen Sträuße binden würde? Definitiv! (Also hab ich jetzt schonmal einen Plan B)






3. Tue das was du liebst: Wenn dir etwas Spaß macht, dann mache es so oft wie möglich. Lese Bücher darüber. Mache es solange, bis du richtig gut darin wirst. Egal ob es Yoga ist oder Fotografieren oder Chinesisch sprechen. Ich denke es macht nicht besonders viel Sinn, irgendetwas anderes zu machen, als das was einem am meisten Spaß macht.




4. Probier auch alles andere aus: Nimm jede Möglichkeit an, die sich ergibt. Ich habe zum Beispiel ein Praktikum bei der Filmproduktion gemacht, obwohl ich nie gedacht hätte, dass Filme mein Ding sind. Aber ich habe so viel mitgenommen aus den zwei Monaten und es hat mir echt neue Perspektiven geöffnet.





5. Rede mit Leuten: Seit meinem Abi im Sommer nerve ich jede Person, die mir über den Weg läuft mit den selben Fragen: Was arbeitest du? Wieso gerade das? Was wolltest du früher machen? Was hast du studiert?




Daraus habe ich folgende Dinge gelernt:

- Eine Malerin hat mir erzählt, dass sie immer Angst hatte, dass sie als Künstlerin niemals Geld verdienen wird. Nach ihrem Studium an der Kunstakademie hat sie ein Stipendium für einen New York Aufenthalt bekommen und als sie auf der Terasse ihres Apparments in Manhattan saß hat sie sich gedacht: Gott sei Dank habe ich an meinen Traum geglaubt. (Also ich will damit sagen, dass man an seine Träume glauben soll)

- Nur weil man etwas studiert, heißt das nicht, dass man es für den Rest seines Lebens machen muss. In den meisten Fällen passiert nämlich das Gegenteil.

- Nur weil man ein Abi gemacht hast, heißt das nicht dass man studieren musst. Und wenn man kein Abi gemacht hat, heißt das nicht dass man nicht studieren kann. Und überhaupt solltest du dich auf gar keinen Fall von den "Normen" der Gesellschaft beeinflussen lassen. Es ist nämlich dein Leben.






Was studiert/arbeitet ihr? Was sind eure Träume?

1 Kommentar:

  1. Ich glaube gerade das mit dem Abi und dem Studieren empfinden viele so. An meiner Schule gab's damals auch wenig Verständnis, wenn jemand etwas anderes als einen 0815 Weg einschlagen wollte und gerade ich mit meinem Berufswunsch als Fotografin hab eher Lacher als etwas anderes geerntet. Gerade wegen meinen Noten hat mich das Umfeld (zum Glück nie meine Familie) schon sehr dazu gedrängt was "vernünftiges" wie Jura oder Medizin zu studieren...
    Was bin ich froh, dass ich mir nicht habe rein reden lassen!

    AntwortenLöschen